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Untersuchungen zur Keramikproduktion und -distribution bronzezeitlicher Siedlungen Griechenlands und der Ägäis mit Hilfe der Neutronenaktivierungsanalyse

Projektleitung: Prof. Dr. Joseph Maran
Prof. Dr. Hans Mommsen, Universität Bonn
Projektträger: Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie
Fachgebiete: Ur- und Frühgeschichte
Kooperation: Institut für Strahlen- und Kernphysik, Universität Bonn (Prof. Dr. Hans Mommsen)
Stichworte: Griechenland, Ägäische Bronzezeit, Archäometrie, Mykenische Keramik, Herkunftsbestimmung, Handel 


Kurzbeschreibung:
In einem interdisziplinären Projekt des Institutes für Ur- und Frühgeschichte und des Institutes für Strahlen- und Kernphysik der Universität Bonn wird versucht, mit Hilfe der Naturwissenschaften neue Erkenntnisse zur Herkunft und Verbreitung mykenischer Keramik und anderer bronzezeitlicher Keramikarten der Ägäis zu gewinnen. Das Projekt wurde von 1993 bis 1997 im Rahmen des Programmes „Neue Technologien in den Geisteswissenschaften“ des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft , Forschung und Technologie gefördert. Den Ansatzpunkt der Untersuchungen bildet der Sachverhalt, daß die Elementzusammensetzung der Keramik, die ja hauptsächlich von der geochemischen Zusammensetzung des verwendeten Tones abhängt, ein für einen Produktionsort typisches Muster ähnlich einem Fingerabdruck darstellt. Als besonders geeignet für die chemische Untersuchung von Keramik hat sich die Neutronenaktivierungsanalyse (NAA) erwiesen, da sie die Messung vieler Elemente bis in den Spurenelementbereich mit großer Präzision gestattet.

Arbeiten der letzten Jahre:
Den Dreh- und Angelpunkt der Untersuchungen bildete der Aufbau einer Art „Fingerabdruckkartei“ der für die einzelnen Töpfereien und Regionen Griechenlands typischen chemischen Muster. Besonders wichtig für die Definition der chemischen „Fingerabdrücke“ ist die Analyse von Fehlbränden, da diese am Produktionsort verblieben und so automatisch das für die jeweilige Töpferei oder Produktionsserie typische Muster ergeben.

Figürlich bemalte mykenische Keramik aus Tiryns
Abb.1  Figürlich bemalte mykenische Keramik aus Tiryns

Da die mykenische Keramik ihre Hauptverbreitung auf dem griechischen Festland hat und auch dort entstand, wurde ein möglichst vollständiges Abdecken der Regionen Festlandgriechenlands angestrebt, um eine gute Datengrundlage für die Kernregion mykenischer Keramik zu haben. Dank der aktiven Unterstützung des griechischen Kultusministeriums und des großen Interesses griechischer Archäologinnen und Archäologen wurden in drei Probenentnahmekampagnen zwischen 1995 und 1997 in Griechenland fast 2500 Proben bronzezeitlicher Gefäße entnommen, von denen ca. 1500 analysiert sind. Die Schwierigkeiten bei der Verknüpfung eines bestimmten chemischen „Fingerabdrucks“ mit einer bestimmten Werkstätte bringen es mit sich, daß von den über 80 unterscheidbaren chemischen Mustern bisher nur ein kleiner Teil sicher mit bestimmten Töpfereibezirken in Verbindung gebracht werden kann. Immerhin läßt sich aber schon auf der Grundlage der bis jetzt vorliegenden Analysen sagen, daß die bemalte mykenische Keramik, d.h. das feine Tafelgeschirr der Spätbronzezeit in Griechenland, in hohem Maße dezentral hergestellt wurde. Von archäologischer Seite war dies nicht unbedingt erwartet worden, da gerade diese Keramik in ihren Formen und ihrer Dekoration überregional verhältnismäßig homogen wirkt. Allerdings zeigen die Untersuchungen auch, daß es Töpfereien gab, deren Produkte eine weitere Verbreitung erlangten und solche, die nur von kleinräumiger Bedeutung waren. Die Definition chemischer Muster bronzezeitlicher Keramik für die Argolis, aber auch für Regionen, die bislang nicht schwerpunktmäßig Ziel von Projekten zur Herkunftsbestimmung waren (z.B. Achaia, Ägina, Böotien und Ostlokris), ergeben nun neue Aufschlüsse in der für die Archäologie so wichtigen Frage nach dem Austausch zwischen den Regionen Griechenlands. Die Einbeziehung ausgewählter Keramikarten des vor-mykenischen Griechenlands ermöglicht darüber hinaus, den mykenischen Keramikhandel in einer diachronen Perspektive zu betrachten.

Diskriminanzanalyse bronzezeitlicher Keramik aus dem Bereich der Ägäis
Abb.2  Diskriminanzanalyse bronzezeitlicher Keramik aus dem Bereich der Ägäis


Literatur:
J. Maran, A. Hein, D. Ittameier und H. Mommsen,
Neutron Activation Analysis of Mycenaean and Related Pottery from the Greek Mainland. In: D. Dirksen und G. von Bally (Hg.), Optical Technologies in the Humanities. Selected Contributions to the Intern. Conference on New Technologies in the Humanities and Fourth International Conference on Optics Within Life Sciences, Münster 1996 (1997) 122-124

J. Maran, A. Hein, D. Ittameier und H. Mommsen,
Herkunftsbestimmung mykenischer Keramik mit Hilfe der Neutronenaktivierungsanalyse. In: H.-J. Krebs (Red.), Einsatz neuer Technologien in den Geisteswissenschaften (1997) 22-24

© Joseph Maran; Kontakt / EMail


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