Sonderausstellung in der Abguß-Sammlung
18. Mai bis 20. Juli 2003
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Die gewaltige Ruine der VILLA JOVIS auf der steil ins Meer abfallenden östlichen Spitze von Capri hat seit Jahrhunderten das Interesse von Reisenden, Künstlern und Altertums-forschern auf sich gezogen und wesentlich zum Mythos der Insel beigetragen. Die Villa gehört zu den wenigen römischen Bauwerken, die mehrfach in antiken Quellen erwähnt werden. Angaben bei Plinius d. Ä., Tacitus und Sueton weisen darauf hin, daß sie dem Kaiser Tiberius als Residenz diente, in der er die letzten Jahre seiner Regierungszeit (14 bis 37 n.Chr.) verbrachte. |
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Das hochragende Hauptgebäude der
ausgedehnten Anlage – die "Burg des Tiberius", wie Plinius
sie nennt – hatte keine Ähnlichkeit mit der traditionellen
Meeresvilla, wie sie den reichen Aristokraten an den Küsten des Golfes
von Neapel als luxuriöses Sommerhaus diente. Die "Villa des
Jupiter" war in der römischen Architektur bis dahin ohne Vorbild.
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An
einem außergewöhnlich exponierten Standort errichtet, mit 7000
Quadratmetern Grundfläche, acht Stockwerken und über 40 Metern
Höhe kann sie als eindrucksvolles Beispiel römischer Ingenieurskunst
gelten: Gewaltige Substruktionen, die im Zentrum riesige Zisternen für
die Wasserversorgung enthielten, trugen die eigentliche Villa; außerdem
befanden sich in den Untergeschossen Unterkünfte, Magazinräume,
eine Thermenanlage sowie Rampen und Treppen, die den Zugang in die höher
gelegenen Stockwerke ermöglichten. |
In den beiden obersten Geschossen, die eine grandiose Aussicht über den Golf von Neapel und auf die Halbinsel von Sorrent boten, residierte der Kaiser. Der imposante Bau war aber mehr als ein Ort der Sommerfrische. Er erfüllte die Ansprüche einer Residenz, indem er die Funktionen des Wohnens, der Repräsentation und der Verwaltung unter einem Dach vereinigte. Der Kernbau der Villa im siebten Stockwerk orientiert sich an den Palastbauten hellenistischer Könige: Um einen großen, nach griechischer Tradition von Säulenhallen umgebenen Hof gruppieren sich eine Wandelhalle, ein halbrunder Bankettsaal sowie der private Wohn- und Arbeitsbereich des Herrschers.
Um 27 n.Chr. errichtet, wurde die VILLA
JOVIS nach der dauerhaften Übersiedelung des Tiberius von Rom nach Capri
zum gut geschützten Regierungssitz und schwer zugänglichen Rückzugsort
des alternden Kaisers, den er bis zu seinem Tode im Jahre 37 n.Chr. nur noch
selten verließ.
Die Ausstellung präsentiert auf zahlreichen Schaubildern mit Photos, Grund-
und Aufrissen die wichtigsten Ergebnisse des Schweizer Bauhistorikers Clemens
Krause, der sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit der Erforschung der Villa
befaßt. Seine Rekonstruktion gibt erstmals eine Vorstellung von den beiden
Hauptgeschossen und ihren architekturgeschichtlichen Bezügen.
Zwei Modelle im Maßstab 1:100
veranschaulichen den heutigen Zustand der Ruine und die antike Gestalt des Bauwerks.
Sie entstanden in der Werkstatt der Skulpturhalle Basel, von der die eindrucksvolle
Dokumentation realisiert und erstmals der Öffentlichkeit gezeigt wurde.
Seine Forschungen hat Clemens Krause auch in einem Buch zusammengefaßt,
das jetzt im Verlag Philipp von Zabern erscheint.
Im Rahmen der Sonderausstellung bietet das Archäologische Institut in seinem
Sonntagsprogramm Führungen
durch die Ausstellung und Diavorträge zu verschiedenen Themen an, darunter
die Kaiservillen auf Capri, die Meeresvillen römischer Aristokraten am
Golf von Neapel, das Haus des Augustus und die Kaiserpaläste in Rom, die
Villa Hadrians bei Tivoli etc.
Öffnungszeiten: Sonntag 11.00–15.00 Uhr. Mittwoch 15.00–17.00 Uhr
Eintritt: 2 Euro. Studierende haben freien Eintritt.
Die Führungen und Diavorträge sind kostenlos.
Adresse: Neues Kollegiengebäude, Marstallhof 4, 69117 Heidelberg
Informationen: Tel. 06221/54–2512 (G. Frischkorn), 54–2515 (Dr. H. Pflug)
E-mail: antikenmuseum@urz.uni-heidelberg.de
Internet: www.villajovis.it
Konzept der Ausstellung: Prof. Dr. Clemens
Krause
Organisation in Basel: Dr. Tomas Lochman, Skulpturhalle Basel
Modelle: Niklaus Deschler, Skulpturhalle Basel
Farb-Photos: Prof. Dr. Clemens Krause
Bildbearbeitung: Foto-Grafik, Theoretikum der Universität Heidelberg
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Seitenbearbeiter: Dr.
Joannis Mylonopoulos Gerhard Geuther |