HEIDELBERGER AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN

 

 

Leiter der Forschungsstelle
Prof. Dr. Tonio Hölscher

Mitarbeiter
Dr. Hildegund Gropengießer (bis 1992)
Dr. Hermann Pflug (ab 1993)

Restaurierung
Georg Nußbaum (Archäologisches Institut)

Photos
Hubert Vögele (Archäologisches Institut)

Zeichnungen
Klaus Messmer (Institut für Ur- und Frühgeschichte)

Anschrift
Archäologisches Institut der Universität Heidelberg
Marstallhof 4, 69117 Heidelberg
Telefon: 06221/54-2511, 54-2512, 54-2515
Telefax: 06221/54-3385
e-mail:antikenmuseum@urz.uni-heidelberg.de

 

Antikenmuseum des Archäologischen Instituts der Universität Heidelberg. Blick in die aktuelle Ausstellung im Dachgeschoß des Neuen Kollegiengebäudes am Marstallhof.

Die Forschungsstelle "Heidelberger Antikensammlung" wurde von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften in der Absicht eingerichtet, die antiken Originale der Kunst und des Kunsthandwerks im Antikenmuseum des Archäologischen Instituts der Universität Heidelberg wissenschaftlich zu bearbeiten und der Forschung zugänglich zu machen. Im folgenden werden die seit 1980 in Angriff genommenen Projekte vorgestellt.

Die Heidelberger Antikensammlung

Die archäologischen Sammlungen der Universität Heidelberg sind aus dem sogenannten Antiquarium Creuzerianum hervorgegangen. Es wurde 1835 von Studenten gestiftet und nach dem bekannten Philologen Georg Friedrich Creuzer benannt. Dieser hatte seit 1810 als erster Professor an der Heidelberger Universität die Archäologie in seine Lehrveranstaltungen aufgenommen und zum Thema von Publikationen gemacht hatte.

Seit 1848, dem eigentlichen Gründungsjahr der Antikensammlung, wurden die Bestände an Originalen und Gipsabgüssen antiker Skulpturen nach didaktischen Gesichtspunkten erheblich vermehrt. Sie bilden heute eine der größten archäologischen Lehrsammlungen an deutschen Universitäten

Georg Friedrich Creuzer (1771-1858). Von 1804 bis 1845 Professor der Klassischen Philologie an der Universität Heidelberg.
Lithographie von J. Peroux.

 

Vitrine mit antiken Tonlampen im Bronzekabinett des Archäologischen Instituts der Universität Heidelberg

Aufgaben der Forschungsstelle

Ziel des Gesamtprojekts ist es, die Bestände der Sammlung, nach Denkmälergattungen gegliedert, zu restaurieren, zu dokumentieren und wissenschaftlich zu bearbeiten. Die für die Einzelprojekte zuständigen Spezialisten legen die in zumeist mehrjährigen Untersuchungen gewonnenen Ergebnisse in Form von ausführlich kommentierten Katalogen vor.

Hinzu kommt die visuelle Erschließung der Materialkomplexe durch Umzeichnungen und durch eine vollständige photographische Dokumentation. Die umfangreichen Photoarbeiten werden im Archäologischen Institut ausgeführt, das die Arbeitsprojekte koordiniert und auch die Redaktion der Katalogbände wahrnimmt. Die Kosten für wissenschaftliche Bearbeiter und Zeichner trägt die Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

Das Programm der Forschungsstelle sieht bislang zehn Bände der Kataloge der Sammlung antiker Kleinkunst des Archäologischen Instituts der Universität Heidelberg vor. Die Betreuung und Herausgabe liegt in den Händen von Prof. Dr. Tonio Hölscher und Dr. Hermann Pflug (bis 1992 Dr. Hildegund Gropengießer). Bislang sind die Bände I-IV erschienen, ein weiterer befindet sich im Druck.

Die Herstellung und der Vertrieb der Kataloge erfolgen durch den renommierten Verlag Philipp von Zabern
Postfach 4065, 55030 Mainz.
email:
Zabern@Zabern.de

Abgeschlossene Projekte

Brigitte Borell, Statuetten, Gefäße und andere Gegenstände aus Metall (1989) behandelt die umfangreiche Sammlung griechischer und römischer Kleinbronzen, darüber hinaus in einem Anhang einige Grabfunde mit Bronzebeigaben aus dem Tessin.

Helga Donder, Die Fibeln (1994) legt die bronzenen Gewandhalter vor. Darunter befindet sich ein bedeutender Komplex von sogenannten böotischen Plattenfibeln, eine der größten Sammlungen von derartigen Schmuckfibeln außerhalb Griechenlands.

 

Bronzestatuette eines Stiers. Aus einer römischen Werkstatt wohl in Oberitalien. 2. Jh. n. Chr.
 
Griechische Bronzefibel. Auf der Schmuckplatte eine gravierte Mythenszene: Herakles und die dreileibige Gestalt der Molione. Böotisch. Um 700 v. Chr.
Rita Perry, Die Campanareliefs (1997) untersucht die Fragmente römischer Architektur-Terrakotten. Die mit figürlichen Motiven geschmückten und ursprünglich farbig gefaßten Tonplatten dienten zur Verkleidung des hölzernen Gebälks von zumeist sakralen Bauwerken.
 
Fragment einer Campana-Platte mit farbig bemaltem Reliefdekor. Das Bildmotiv ist nach dem daneben gezeigten Typus zu ergänzen.
Römisch. Um 30 v. Chr.
 
Zeichnerische Darstellung des Bildtypus der Campana-Platte: Zwergenhafter Dämon (Bes) zwischen einer liegenden weiblichen und einem männlichen Sphinx

Laufende Projekte

A) Römische Bildlampe mit Darstellung von zwei Gladiatoren. Ende 1. Jh. n. Chr.
B) Hellenistische Lampe mit Reliefdekor. 2.-1. Jh. v. Chr.
C) Römische Lampe in Form eines Fußes mit Sandale. 2. Jh. n. Chr.

Im Druck befindet sich der Band von Cornelia Thöne, Die griechischen und römischen Tonlampen. Die insgesamt 260 Lampen werden nach Typen geordnet und die wichtigsten Formen, Dekorationsmotive sowie Firmenstempel zeichnerisch dokumentiert.

 
Profilzeichnung einer griechischen Tonlampe mit Besitzerinschrift EUPHRAIOS aus dem 4. Jh. v. Chr.
 
Römische Kastenlampe mit Herstellername TROPHIMUS OPLARI (ius). Ende 1. bis Anfang 2. Jh. n. Chr.

Zwei Katalogbände sind derzeit in redaktioneller Bearbeitung. Für beide war eine zeitaufwendige zeichnerische Erfassung der Denkmäler erforderlich, insbesondere im Falle von Ortwin Dally, Die Architekturfragmente aus Terrakotta und Kalkstein.

Fragment eines Schmuckziegels (Sima) mit Löwenprotome vom Dachrand eines griechischen Tempels. Bemalte Terrakotta. (Länge 45 cm). Aus Tarent in Unteritalien. Um 500 v. Chr.
Umzeichnung der Löwenkopf-Sima oben mit Angabe der noch sichtbaren Schmuckmotive (Lotosblüten und Palmetten, Knospenreihe, Mäander). Wiedergabe der Farben durch verschiedene Grauwerte.

Neben Schnittbildern wurden vor allem exakte Seitenansichten gezeichnet, die Dekormotive und Bearbeitungsspuren dokumentieren, die durch Fotos nicht erfasst werden können.
Ähnlich hohe Anforderungen an Zeichner und Photographen stellte der Band Die Fragmente römischer Wanddekoration, die Dorothea Michel vorlegt.

 
Fragment eines römischen Wandbildes in Freskotechnik. Im senkrechten Paneel eine stehende Figur in ägyptischer Tracht.
Mitte 1. Jh. n. Chr.
 
Umzeichnung des Wandmalerei-Fragments links mit Wiedergabe der im Photo nicht sichtbaren oder von Kalksinter verunklärten Details.

 

In Vorbereitung befinden sich zur Zeit drei weitere Bände. Karl Strobel und Robert Loscheider bearbeiten die 2500 Prägungen umfassende Sammlung römischer Münzen der Republik und der Kaiserzeit

 

Goldmünze (Solidus) des spätrömischen Kaisers Arkadius (Herrscher des Ostreichs 395-408 n. Chr.), nach Ausweis der Beizeichen in der Münzstätte Mediolanum (Mailand) geprägt. Auf der Vorderseite Büste des Arkadius mit Perlendiadem.

 


Jürgen Riethmüller
legt Die griechischen und römischen Steindenkmäler vor. Darunter befinden sich neben Steingefäßen vor allem rundplastische Skulpturen und Reliefs sowie ein griechischer Sarkophag aus Marmor.






Porträttondo aus Marmor mit dem Bildnis eines griechischen Philosophen oder Literaten.
Römische Marmorkopie. Um 200 n. Chr.

 


Einen umfangreichen Band werden Die figürlichen Terrakotten füllen, der von Hildegund Gropengießer vorbereitet wird. Die Antiken-Sammlung besitzt einen großen Bestand an antiker Tonplastik, darunter eine Reihe seltener Prototypen und Matrizen, die wichtige Aufschlüsse über die Techniken der antiken Koroplasten liefern.
 
 
Statuette einer thronenden Göttin, möglicherweise der Hera. Bemalte Terrakotta. Böotischer Typus aus der 1. Hälfte des 6. Jhs. v. Chr.
 

 

Künftige Projekte

Weitere Materialkomplexe stehen zur Veröffentlichung an. Dazu zählen die Sammlung griechischer Münzen und verschiedene Gattungen von Keramik aus Griechenland, Zypern und Unteritalien. Darüber hinaus bleibt die Aufarbeitung der Geschichte der Heidelberger Antikensammlung ein dringendes Desiderat.
Attische Silbermünze (Tetradrachmon). Vorderseite mit dem behelmten Kopf der Athena, der Stadtgöttin Athens. Um 440 v. Chr. Auf der Rückseite der Münze ein Kauz, das Wappentier der Göttin, außerdem ein Olivenzweig und die Anfangsbuchstaben der Stadt Athen
Außenbild einer attischen Trinkschale (Kylix). Zwei Männer führen zu den Klängen eines Doppelaulos-Bläsers einen Waffentanz auf. Dem sogenannten Euergides-Maler zugewiesen. Um 510 v. Chr.

 

 
 
Alter Ausstellungssaal des Archäologischen Museums im Weinbrenner-Bau am Marstallhof (1929-1966).


Bildbearbeitung : Darko Vargasevic´

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Seitenbearbeiter: Dr. Joannis Mylonopoulos
Gerhard Geuther